Donnerstag, 21. Mai 2009

Festplatten-Fragen

Ich werde sehr oft gefragt, welche Festplatte in welchen Mac passt … heute mal die umfassende Antwort: Powerbooks, iBooks und Macbooks verwenden grundsätzlich 2,5 Zoll Festplatten. Es gibt auch größere mit 3,5" - die passen aber nur in Desktops. Und es gibt kleinere mit 1,8" in iPods, da kann man aber nicht ohne weiteres eine Platte mit mehr GB reinsetzen, mehr dazu bei podmod.de.
Ich selbst habe momentan nur gebrauchte IDE-Platten bis 20 GB oder SATA bis 120 GB sowie nagelneue SSD (siehe ganz unten). Aber fragen Sie mich einfach, was ich aktuell am Lager habe, das ändert sich ja mal öfters.


Plattensterben
Wenn Ihr Mac für 2 Minuten hängt und währenddessen wie eine Uhr im Sekundentakt tickt und dann irgendwann wieder weiter läuft, wird innerhalb der nächsten Tage Ihre Festplatte sterben. In dem Fall sollten Sie sofort alles stehen und liegen lassen und im nächsten Media Markt eine neue kaufen - koste es, was es wolle.
Sie können auch im Festplatten-Dienstprogramm auf das blaue "i" klicken. Steht dort "S.M.A.R.T. Status: failing", dann haben Sie etwas mehr Zeit. Empfehlen kann ich dann alternate.de und computeruniverse.net. Das sind zwar nicht die günstigsten, aber dafür sind sie überschaubar und zuverlässig.
Ihre alte Festplatte kopieren Sie unter OS X mit Carbon Copy Cloner und schließen sie extern an, z.B. mit einem USB2-Adapter oder einem Firewire-Gehäuse.

Hersteller
Am liebsten sind mir Fujitsu oder Toshiba (bei 3,5" Platten Maxtor). Seit kürzerem sind auch Samsung und Western Digital massiv ins 2,5" Geschäft eingestiegen und zeichnen sich vor allem durch sehr große Platten und durch sehr günstige Preise aus. Ich habe selbst schon einige Platten von denen benutzt und bislang noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Und im Preis-/Leistungsverhältnis sind die einfach unschlagbar.
Nicht kaufen würde ich IBM / Hitachi … die sind früher so oft kaputtgegangen, dass ihr Modell "Deskstar" schon den Spitznamen "Death Star / Todesstern" bekam ...

Geschwindigkeit / Lärm
Festplatten haben unterschiedliche Rotationsgeschwindigkeiten, also Umdrehungen pro Minute oder auf Englisch "rounds per minute" (rpm). 2,5" Platten gibt es mit 5400 rpm - die sind leise und mir am liebsten, wenn ich den ganzen Tag davor sitzen muss. Außerdem reichen die sogar für Audio-Editing aus, was will man mehr. Für Videoschnitt würde ich eine mit 7200 rpm nehmen, auch wenn die etwas lauter ist.

Seit neuestem gibt es von Western Digital auch "grüne" Festplatten wie die WD Caviar Green, die ihre Geschwindigkeit je nach Anforderungen flexibel verändert und stromsparend und leise sein soll. Zumindest bei externen 3,5" Platten habe ich aber die Vermutung, dass sich da das Stromsparmanagement der Platte mit dem des Gehäuses in die Haare kriegt und die Platte dann auch ohne Aktivität anlaufen kann. Von internen Platten habe ich sowas noch nicht gehört und im Zweifelsfall gibt's bei Webbestellungen ja immer 14 Tage Rückgaberecht ;)


SCSI
In der Prä-G3-Ära gab es einen Festplattenstandard namens SCSI, auf den gehe ich hier jetzt aber ebenso wenig ein wie auf Fibre Channel.


IDE / ATA: Powerbook / iBook
Bei 2,5" Festplatten gibt es zum einen welche mit 44 Metallstiften, die werden IDE / ATA, seltener auch EIDE oder PATA genannt. Solche Platten wurden in Powerbooks und iBooks verbaut. Soweit ich das weiß, werden in allen Powerbook G3, iBook G3 und Powerbook G4 Titanium (Anschlüsse hinten) max. 128 GB erkannt. Wenn man dort z.B. eine 160 GB Platte einbaut, werden trotzdem nur 128 GB angezeigt und der Rest bleibt ungenutzt. Alle Powerbook G4 Alu (Anschlüsse seitlich) - inkl. dem allerersten 867 MHz 12" Modell - können auch größere Platten ansteuern, die gibt es derzeit mit max. 320 GB.

Troubleshooting: Manchmal braucht eine Platte mehr Strom, als das Powerbook liefern kann. Sollte also die neue Platte nicht richtig erkannt werden, bauen Sie nochmal die alte Platte testweise ein. Geht die, dann liegt's am Stromverbrauch und Sie sollten die neue Platte umtauschen. Geht die alte Platte auch nicht, haben Sie beim Einbau das Festplattenkabel beschädigt. Wenn Sie eine 2,5" Platte extern per USB anschließen und die nur noch tickt, dann liefert der USB-Port nicht genug Strom und Sie sollten ein externes Netzteil an die Platte anschließen.

Bei Powerbook G3 Wallstreet (schwarze Tastatur) gibt es zudem eine weitere Besonderheit: OS X muss innerhalb der ersten 8 GB installiert werden. Größere Platten muss man also in mindestens zwei Partitionen unterteilen, die erste ist dann 7,99 GB groß und darauf kommt OS X, die zweite ist für den ganzen Rest und darauf kann dann auch OS 9 installiert werden.

Und noch 'ne Besonderheit: hochauflösende 1,67 GHz Powerbook G4 (15" mit 1440x960 Auflösung, 17" mit 1680x1050 Pixeln) sind die einzigen Apple Laptops, die Master- und Slave-Einstellungen haben. Wenn Sie da eine neue Platte oder ein neues DVD-Laufwerk einbauen und auf einmal startet das Powerbook nur noch, wenn Sie eines der Laufwerke abstöpseln, dann sollten Sie die HD mit einem "Jumper" auf "Slave" einstellen!


SATA / Serial ATA: Macbook / Macbook Air / Macbook Pro
Alle Intel-Macs verwenden SATA-Platten. 2,5" SATA-Platten gibt es derzeit mit maximal 500 GB und sie sind generell billiger als IDE-Platten. SATA-Platten haben zwei L-förmige Plastikclips - der kleinere für die Stromversorgung, der größere für die Daten. Das ist auch der Grund, warum sich Platten in Macbooks einfach einschieben lassen. Es gibt auch SATA2-Platten, die sind aber rückwärtskompatibel und passen auch in die Macbooks.

Troubleshooting: Zur Installation von Mac OS X muss eine Platte in Intel-Macs als "GUID" initialisiert werden. Wie das geht, erklärt Apple hier.


SSD / Solid State Disks
Solid State Disks sind sowas wie "Flash-Speicher", haben also keine beweglichen Teile. Das ist z.B. praktisch, um Macs auf Schotterpisten in Afrika zu benutzen. Man kann sie als superteure Extras bei ganz neuen Macbook Pro und Macbook Air bestellen, aber auch nachträglich einbauen in alle alten Powerbook, iBook, Macbook, Macbook Air und Macbook Pro.
SSD gibt's in 2,5" sowohl mit SATA-Anschluss als auch in einer IDE-Version. Man kann natürlich OS X von ihnen starten, sie sind mindestens genauso schnell wie herkömmliche Platten und sie "hängen" auch nicht. Ich selbst kann SSD-Platten von Transcend nagelneu innerhalb von einem Tag von meinem Großhändler bekommen, die Preise stehen hier im Anschluss (MLC, inkl. MwSt, 2 Jahre Garantie plus 6,90 € Porto innerhalb Deutschlands). Bei Interesse bitte einfach fragen!

IDE: 32 GB 128 €, 64 GB 211 €, 128 GB 382 €
SATA: 32 GB 128 €, 64 GB 211 €, 128 GB 323 €, 192 GB 573 €

Donnerstag, 16. April 2009

Scharnier kaputt: G4 Titanium

Beim Titanium brechen sehr oft die Scharniere. In meiner Auseinander-Bauanleitung erkläre ich ja schon ausführlich, wie man die Scharniere AUSbaut. Heute zeige ich zum ersten Mal, wie man ein neues Scharnier auch wieder EINbaut!

Montag, 6. April 2009

Old School: Lombard-Prozessoren

Lombards, das sind die Powerbook G3 mit USB-Anschluss, aber ohne Firewire. Auf dem Display steht "Macintosh Powerbook G3" und sie haben 333 oder 400 MHz. Meistens geht beim Lombard die Prozessorkarte kaputt, darum will ich mich heute mal diesem Thema widmen:


OS X 10.3 bis 10.3.9

Viele Lombards haben massive Probleme mit OS X 10.3. Entweder funktioniert schon die Installation nicht oder ein bereits fertig installiertes 10.3 lässt sich nicht mehr starten und das Powerbook bleibt mit einem grauen Screen hängen.

Das liegt an der Firmware des Prozessors. Sie können mit der Freeware PPC Checker überprüfen, welche Firmware-Version Ihr Lombard hat. Steht da "Rev3.1", können Sie problemlos alles bis 10.3.9 installieren. Steht dort "Rev2.2" wie im Bild oben, sollten Sie maximal OS X 10.2.8 installieren.


Cachefehler und RAM

Lombards brauchen zwingend PC100 RAM. PC133 RAM ist zwar billiger und leichter erhältlich, aber bei PC133 RAM wird oft nur die Hälfte des RAMs angezeigt - nach dem Motto "256 MB kaufen, 128 MB nutzen". Durch PC133 RAM kann außerdem innerhalb von 3 Wochen der Cache und damit der Prozessor kaputtgehen. Genauer gesagt hat das was mit der Adressierung zu tun und es gibt einen Unterschied ob man z.B. 133-322 RAM verwendet oder 133-333, aber grundsätzlich hilft der Merksatz "PC100 gut, PC133 böse".

Der Cache speichert Rechenergebnisse vom (schnellen) Prozessor zwischen, ehe sie über den (langsamen) Systembus an andere Powerbook-Komponenten geschickt werden. Fällt der Cache aus, wird das Powerbook mindestens 1/3 langsamer. Zudem verhält sich kaputter Cache wie ein Wackelkontakt: mal geht er stundenlang prima, dann stürzt das Lombard wieder andauernd ab und oft geht es gar nicht oder erst beim 5. Versuch an.

Kaputten Cache erkennen Sie auf zwei Arten: Unter OS 8/9 kommt beim Starten die Fehlermeldung "Beim Prüfen des Arbeitsspeichers ist ein Fehler im Cache-Speicher aufgetreten. Bitte setzen Sie sich mit Ihrem Händler in Verbindung". In OS X steht im Dienstprogramm "System Profiler" dann "Backside cache: none installed". Ein intakter G3/333 hat in Wirklichkeit 512 KB Cache, ein G3/400 1 MB. Da hilft dann nur noch eine andere Prozessorkarte ... und das richtige RAM!


Die Maximalbestückung
Maximal passen in das Lombard 2x 256 MB RAM. Das muss PC100 sein ... und alte, doppelt große Bausteine, die nur in den oberen Slot passen, zicken sehr oft mit anderen Bausteinen rum. Wirklich zuverlässig klappt das leider nur, wenn man zwei neue, identische Bausteine nimmt. Sowas habe ich am Lager, damit geht das garantiert.


Wie erkenne ich das richtige RAM?

Entweder ist da ein kleiner Aufkleber drauf, auf dem steht "PC100" oder eine Zahlenfolge wie "100-222". Kommt darin 133 vor, sollten Sie mißtrauisch sein.

Fehlt der Aufkleber, gucken Sie sich mal die Ziffern auf den Chips selber an, in diesem Beispiel also "KM416S8030BT-FL". Googeln Sie danach, und Sie finden wahrscheinlich ziemlich schnell eine Seite, wo irgendwas zu "PC133" oder "PC100" ausgesagt wird.

Eine andere geniale Seite ist diese hier: Da können Sie meistens auch sehr schnell herausfinden, welches RAM das ist.

Mittwoch, 1. April 2009

Tote iBooks

Manchmal bekomme ich zu diesem Thema täglich 1-2 Mails, darum beantworte ich das hier jetzt auch mal ausführlich.

Also, ALLE iBooks haben einen Konstruktionsfehler. Beim 12" G3 sitzt z.B. der Videoprozessor direkt unter der Festplatte und dort wird es so heiß, dass sich der Chip mit der Zeit von alleine auslötet. Beim G4 ist häufig ein anderer Chip betroffen - äußern tut sich das aber immer durch Abstürze, durch ein komplett schwarzes Display und insbesondere durch Einfrieren mitten beim Arbeiten (falls Sie noch sehr dunkel bei Gegenlicht den Schreibtisch sehen, liegt das meistens am Inverterkabel oder am Inverterboard, worüber das LCD seinen Strom kriegt - das ist dann was anderes).

Aber mit etwas Geschick und viel Zeit kann man das reparieren ...

Beim G4 ist das ganz einfach. Meistens reicht es, etwas zwischen das Gehäuse und das Logicboard zu klemmen, wie das hier sehr schön mit Bildern beschrieben ist.


iBook G3: Rundum alles mit doppelter Alu-Folie geschützt, auf dem Prozessor Lötzinn zur Kontrolle

Beim G3 wird's etwas aufwändiger, denn da muss der Videoprozessor wieder eingelötet werden. Dazu baut man das Logicboard aus und legt Alufolie darauf. Dann schneidet man ein Viereck aus der Alufolie, das so groß ist wie der Videoprozessor (die Alufolie schützt später den Rest des Logicboards vor Hitze). Und dann erhitzt man den Videoprozessor langsam mit einem Heißluftfön. Ich habe zur Kontrolle ein winziges Stückchen Lötzinn oben auf die geschlossene Oberfläche des Videoprozessors gelegt. Irgendwann schmilzt das und hüpft dann als runde Kugel durch die Gegend. Ich habe dann bis zwanzig gezählt (was zu kurz war, ich würde inzwischen wohl eher bis 60 zählen) und dann den Fön ausgeschaltet. Hier das ganze nochmal auf Englisch zum Nachlesen ... Und tatsächlich lief das iBook danach wieder eine Weile.

Ich selbst biete das aber als Reparatur nicht an, weil das locker 4-5 Stunden Arbeit macht und mit Pech nach 2 Wochen wieder auftritt. Das ist für mich ziemlich frustrierend.

Darum gucken Sie am besten im Apple Handbuch für Service Techniker, wie Sie das iBook öffnen. Dazu googeln Sie nach:

"ibk_dusb.pdf apple service source" fürs 12" iBook G3 (ca. 5,4 MB)
"ibk14.pdf apple service source" 14" iBook G3 (ca. 3,3 MB)
"ibg4_12_mid05.pdf apple service source" 12" iBook G4 (ca. 22,9 MB)
"ibg4_14_late04.pdf apple service source" 14" iBook G4 (ca. 27,5 MB)

Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen Sie das nicht auf Ihre Festplatte kopieren. Aber quasi als "Stream" im Web ansehen dürfen Sie das nach dem derzeitigen Stand ... viel Erfolg!

Mittwoch, 25. März 2009

Die Feinde des Macs

Nachdem ich letzte Woche ja schon vom Alkoholtod eines Macbooks berichtet habe, hier mal weitere Zitate aus den Mails, die ich jeden Tag bekomme ...

1. Meine Verlobte hat versehentlich beim Zuklappen ihres MacBooks (13'' weiß) die Funkmaus dazwischen gehabt und jetzt ist die Hälfte des Monitors weiß mit Schlieren. Kann man da was machen?

2. Seit gestern ist die "J" Taste verschwunden (ich habe Hund oder Katze in Verdacht). Was kostet ein Ersatz?

3. Meine Tochter hat einen Buntstift ins Diskettenlaufwerk gesteckt. Wie bekomme ich den raus?

4. Meine liebe Katze ist mir über die Tastatur gerannt und hat dabei zwei Tasten rausgerissen (3 und 5). Mit Glück konnte ich die 5 wieder einsetzen, aber die 3 blieb bisher erfolglos.

5. Ich habe ein MacBook und mein Hund hat den MagSafe Adapter kaputt gemacht (Kabel durchgebissen - leider das mit dem Magneten vorne dran)

6. Meine Exfreundin hat das Netzteil für meinen geliebten Mac Mini der ersten Generation verloren. Können Sie an so ein Teil rankommen?

7. Kann man sich bei solchen Fällen denn nicht bei Apple auf die Garantie berufen? Ich mein, kann doch nicht sein, dass sich Tasten verformen, weil eine Schreibtischlampe zu lange auf die Tasten gerichtet war!

Donnerstag, 19. März 2009

Noch'n Bier für'n Mac!

Flüssigkeitsschaden - ein allseits beliebter Klassiker.

Dabei predige ich ständig allen und jedem "Tassen bitte immer HINTER den Mac stellen. Oder auf einen anderen Tisch!". Nichtsdestotrotz schüttete meine beste Freundin einen halben Liter Tee (die extra große Starbucks-Tasse) über ihr 6 Monate altes Macbook Pro. Ist schnell geschehen, kann jedem passieren - das Telefon klingelt, man greift schnell hin, Tasse fliegt um, Pech.

Manche Leute drehen dann den Mac ganz schnell auf den Kopf ... so fließt die Flüssigkeit aus der Tastatur raus - und in das Display rein. Hier z.B. das Sondermodell "Chateau Rothschild" mit einem Rotwein-Icon für iTunes und Excel.

Das Problem ist dabei meistens gar nicht mal ein Kurzschluss. Sondern das Zeugs in der Flüssigkeit drin: In Kaffee und Cola ist Zucker, der verklebt die Tastatur. In Sprudelwasser ist Kohlensäure, in Rotwein Weinsäure, in Orangensaft Fruchtsäure. Die Säure verätzt die Leiterbahnen, und die korrodieren dann sehr schnell.

Beim Tee sah das zum Beispiel so aus ... typisch sind die weißen Spuren, die aussehen wie Kalk. Das hier im Bild ist die Steuerungsplatine der Festplatte - als ich die gegen eine neue austauschte, lief die wieder! (Näheres dazu erkläre ich hier)

Also wenn man schon Zeugs über seinen Mac schüttet ... bitte ausschließlich Tee ohne Milch und Zucker! Oder destilliertes Wasser. Mein Gott, das ist ja wohl auch das Mindeste, was man von seinen Kunden verlangen kann, oder?

Aber OK, das Unglück ist passiert, die Sorgen groß, der Mac leider tot.


Nicht immer ist dann aber gleich das Logicboard schuld, wie einem gerne der Händler am Eck erzählt, der einem am liebsten ein neues Macbook verkaufen möchte. Wie findet man das raus?

Nehmen wir mal meinen heutigen Patienten, ein Macbook Pro mit einem Alkoholproblem: Rotwein über der Tastatur. Zu Beginn lief's auch noch sporadisch - bis das Paket bei mir ankam, war's mausetot.

Ich habe dann zuerst ein Netzteil von mir angeschlossen und geguckt, was das Lämpchen am Stromeingang macht ... würde das grün leuchten und nach kurzer Zeit auf orange wechseln, wäre das ein gutes Zeichen. Denn dann würde das Macbook noch Strom bekommen und zumindest die Platine mit dem Stromeingang wäre in Ordnung.

Manchmal leuchtet das Lämpchen auch orange, obwohl der Akku draußen ist ... in dem Fall ist häufig die Platine defekt, die fürs Akkuladen zuständig ist. In meinem Fall war das Lämpchen ganz aus - das Macbook hat also offenbar gar keinen Strom mehr bekommen (ein gutes Indiz für sowas ist auch, wenn der Akku ratzeputz leergesaugt ist).

Als nächstes habe ich dann das RAM komplett ausgebaut. Denn noch bevor das Display hellgrau wird, macht das Macbook einen Selbsttest und müsste 3x piepen, wenn das RAM fehlt. Das wäre dann immerhin ein Lebenszeichen vom Prozessor, selbst wenn alles andere tot ist. In meinem Fall tat sich aber gar nichts und auch die weiße LED vorne ging nicht an - die leuchtet normalerweise beim Einschalten, damit man weiß, dass sich etwas tut, auch wenn das Display noch schwarz ist.

Also hab' ich's aufgeschraubt ... (wie das geht, erkläre ich hier)

Oft sieht man schon am Gehäuse sehr genau, wo etwas rein gelaufen ist. Hier links oben zum Beispiel der Tee meiner Freundin. Darunter die Rotwein-Tastatur - da sieht man auch sehr deutlich, dass eher hinten links etwas reingeflossen ist. Als nächstes versuche ich dann, ohne Tastatur und Trackpad zu starten ... beim Macbook Pro geht das ganz einfach, indem man zwei Lötpunkte kurzschließt, beim Macbook nur mit einem anderen Oberteil.

Hilft das nicht, stöpsel' ich dann alles ab, was nicht lebennotwendig ist. Also die Festplatte, das DVD-Laufwerk, Airport, den PC-Card Leser und die Lautsprecher, denn das meiste davon kann das Starten verhindern ... Lediglich den Stromeingang und das Display lasse ich dran, sonst sehe ich nicht, ob's startet.

Hilft das auch nicht, sehe ich mir den Strom-Eingang genauer an. In diesem Fall ist scheinbar der gesamte Rotwein nach hinten links gelaufen und unter der Platine sah's aus wie nach dem Zombie-Kettensägen-Massacker.

Am Ende habe ich also nur den Stromeingang und die Tastatur getauscht - und dann lief' das Macbook Pro wieder

Freitag, 13. März 2009

So, jetzt blogge ich

Schon seit 2001 handel ich mit neuen und gebrauchten Ersatzteilen für Apple Laptops und reparier sie auch. Dabei kriege ich immer wieder Macs auf den Tisch mit komischen Geschichten - z.B. das Powerbook, das vom Auto überfahren wurde (es lief noch).



Ab jetzt plauder ich also über meine "Patienten" ein bisschen aus dem Nähkästchen. Und weil viele Defekte absolut typisch sind, gibt's dabei auch 'ne Menge zu lernen über Fehlersuche und Reparatur. Viel Spaß!

Michael